Unser Verein kümmert sich um den Erhalt der traditionellen Helgoländer Börteboote. Es handelt sich hier um eine sehr schöne Tradition, die für uns zum Erscheinungsbild der Insel dazugehört wie der rote Buntsandstein, die Hochsee und der weiße Sand.....
Unser Bestreben ist es, die Helgoländer Börteboote in ihrem jetzigen Zustand zu erhalten.
Das Helgoländer Börteboot ist ein hochseetüchtiges, meist um die zehn Meter langes und drei Meter breites Boot aus massivem Eichenholz mit einem Tiefgang von ca. 110 Zentimetern. Das Gewicht beträgt ca. acht Tonnen. Es wurde während der Saison - von Ende Frühjahr bis Anfang Herbst - seit über 60 Jahren (1952) zum „Aus- und Einbooten“ zwischen den auf der Helgoländer Reede ankernden Seebäderschiffen und der Landungsbrücke benutzt.
Die „Helgoländer Börte“, also das Aus- und Einbooten der Fahrgäste von und zu den Seebäderschiffen, gehörte zu Deutschlands sichersten öffentlichen Verkehrsmitteln. Mehr als 45 Millionen Menschen wurden ohne größere Zwischenfälle sicher zum Ziel gebracht. In einem Börteboot finden bis zu 50 Passagiere Platz.
Aufgrund der Corona-Situation seit 2020 wurde auf das traditionelle Aus- und Einbooten verzichtet und die Schiffe fahren seither den Südhafen der Insel an.
Aktuell werden die Boote für Rundfahrten um die Insel, zum Hummer- & Knieperfang, für Seebestattungen und gelegentlich zum Angeln eingesetzt. Es besteht außerdem die Möglichkeit, sich vom Börteboot direkt vom Schiff (gegen eine kleine Gebühr) zur Landungsbrücke und Düne bringen zu lassen. Manchmal werden sie auch in der Hochsaison als "Verstärker" der Dünenfähre eingesetzt. Viele hoffen darauf :-).
Die Bauweise der Börteboote ist für Holzboote eine Besonderheit – während die oberen Plankengänge (in der Regel die vier oberen, vom Süllrand aus nach unten gezählt) in Klinkerbauweise erstellt sind, ist das darunter befindliche Unterwasserschiff in Kraweelbeplankung gebaut. Die Börteboote haben einen innenliegenden Dieselmotor und sind mit bis zu 180 PS (MAN 8-Zylinder der „Claudia“ von Klaus Köhn) relativ stark motorisiert. Sie erreichen leicht 13-14 Knoten, was Rumpfgeschwindigkeit bedeutet. Im Betrieb - bei zum Beispiel der jährlichen „Börteboot-Regatta“ am 10. August auf der Helgoländer Reede - ist dies sehr gut zu beobachten.
Der Typ des Börtebootes wird seit 1952, dem Jahr der Wiederbesiedlung Helgolands nach dem Zweiten Weltkrieg, gebaut. Die Börteboote, die sich zur Zeit noch im Einsatz auf Helgoland befinden, sind meist um die 50 bis 60 Jahre alt. Viele dieser besonderen Schiffe wurden von der Hatecke-Werft in Freiburg an der Elbe gebaut. Rainer Hatecke - „der Sohn des Meisters“ - ist der Vorsitzende unseres Vereins. Seine Werft führt während der Wintermonate die Ausbesserungsarbeiten an den meisten Booten durch.
Das Aus- und Einbooten ist, wie gesagt, seit 2020 „Geschichte“.
Dies konnte und kann unser Verein nicht verhindern. Aber es liegt uns am Herzen, die traditionellen Boote am Leben zu erhalten und unsere Flotte ständig zu erweitern.
Ein Mann auf Helgoland konnte uns helfen. Kapt. a.D. Erich-Nummel Krüss (von 1969 bis 1994 Betriebsleiter der Helgoländer Dampferbörte. Er verstarb leider im Jahr 2018) wusste die Antwort:
"Schon im 18. Jahrhundert hingen die Einkünfte der Helgoländer Seeleute zum größten Teil vom Lotsendienst auf Elbe, Weser und Eider oder von der Berge- und Hilfeleistung in Seenot geratener oder gestrandeter Schiffe ab. 1714 kam Helgoland zu Dänemark. Der Insel wurden hohe Steuern aufgebürdet. An die königliche Kasse musste weiterhin ein Zehntel der Lotsgelder abgeführt werden. Nun wurden die Lotsenfahrten in Reihenfolge ausgelost – diese Regelung wurde „BÖRTE“ genannt.
Das Wort wurde mit aller Wahrscheinlichkeit übernommen aus der Flussschifffahrt, denn Reihenschifffahrt nannte man (z. B. auf dem Rhein): Beurt- (Bört)schifffahrt, es bedeutete also, „an der Reihe zu sein.“ Auf Helgoländisch: "Ik ben uun´e beert" bedeutet: „ich bin (jetzt) dran“. Es wurde wohl so in den Helgoländer Wortschatz aufgenommen und wurde auch im täglichen Umgang gebraucht, z. B. „wenn man dran war“, „einen auszugeben“ oder „an der Reihe war, irgendetwas zu erledigen“.
Später dann wurde dieser Ausdruck (ab 1826 – Gründung des Seebades) beim Ausbooten übernommen; die Entlohnung geschah dabei auf Anteil, d. h., es gab nur Geld, wenn auch Gäste kamen; es wurde ausgelost (Lottsmitten), wer mit dabei war (med uun´e Beert). Das Wort „BÖRTE“ wird auch heute noch bei den Seelotsen benutzt."
Danke, Nummel, für diese wertvolle Information!
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